Das Kraftwerk vor der Tür ist still und kalt;
noch schmeckt die Luft, noch reifen Blutorangen,
das Leitungswasser perlt, die Köstlichkeit im Mund, -
du atmest durch, trabbst weiter durch den Wald.
Das Leben streicht dir eine Träne ins Gesicht,
du singst unter der Dusche, kochst den Tee,
schreibst ins Notizbuch, öffnest Fenster weit,
und gehst ganz sicher. Es ist nur der Wind,
doch in den Träumen ist er wieder da.
Dir wird so heiß, und du springst in den See.
2011
Ich trauerte - wie tief, kaum zu erahnen,
doch traute mich mit Schwermut nicht ans Licht:
Empfindsamkeit stand nicht auf meinen Fahnen,
und kauzige Bösewichte trauern nicht.
Er - traurig? Nein, er ist nur seltsam, komisch,
ganz fremd, so anders, - ihm Gefühle zugestehn?
Ihn einen Menschen nennen kann man anatomisch,
doch Mitmensch? Nein, lass uns zur Seite gehn.
9.2012
Freunde sind keine Steine: Freunde sammelt man nicht.
Dem Herzen sind sie nicht zum Scheine,
und für es da, wenn es bricht.
Ich könnte dir itzund schreiben: bau mich auf, mein Freund!
Ich lasse es jedoch bleiben: Leid trag ich, und wir teilen Freud.
Doch du hättest mir beigestanden: das ist es, was, Junge, zählt.
So viele Freunde verschwanden im Schoss der selbstsüchtigen Welt.
Freunde verliere ich gern, wenn sie keine mehr sind.
Auch mich halt nicht fest, wenn du spürst,
dass wir Fremde geworden.
9.2012
Im Meer, gehüllt in Nebel, ragst du, Insel,
mit hohen Klippen aus dem Blau hervor.
Unnahbar und so einsam, kindlich Mädchen,
das sich im Tagtraum aus dem Takt verlor.
Aus sichrer Ferne die Konturen deines Körpers
betrachte ich, verrückt nach deinem Blick, -
und doch in ängstlicher Bereitschaft, zu verschwinden,
falls sich dein Kopf nach hinten dreht, und ungeschickt
schau ich zu Boden statt zu dir, und schmieg mich nicht
sanft an dein Haar, das ich so süchtig rieche
vielleicht auch noch vom Mond, wenn ich dorthin,
aus Angst, dein zartes Herz zu öffnen, fliehe.
1.2013
Ich dreh, mein lieber Freund, so gut wie durch!
Weck mich, wenns schläft. Beiß zu, du Mund
hellweißer schmucker Zähne. Koche, Blut!
Haar, fall auf meine Schulter, links von mir,
Jungfrau, nimm Platz, begleite in den Wahn
den alten guten Mich, näht mich zusammen,
ihr die dem Schicksal seine Fäden zieht,
dem harten Wolfe seinen Hungerzahn.
2011
So kurz die Sommernacht, die Heide brennt, knackt trocken
der Boden unter schnellen Füßen, übereiltes Suchen
nach einem Mädchen, nein, nach zwei, die Feuer locken
schlaflose Augen in falsche Richtung, hin zum See,
wo Mondschein auf dem Wasser brennt; die Nacht kühlt aus.
Der Sternenstaub gefriert zu leis geweinten Tränen,
geruchlos; atemlos setzt sich die Suche fort,
doch Nirgendwo ist nirgends. Nimmt die Nacht ein Mädchen,
und stößt das zweite von sich in den Tag.
Das Mädchen krallt sich in die Nacht und lässt nicht los.
Fortan ist sie tagsüber unauffindbar,
ein zarter Traum, Mirage, doch flüsternd lockt die Nacht
ins weite Feld, zum See, auf leere Straßen, Gleise, Schienen,
und auf die Klippen, wenn das Herz nicht länger will.
3.2013
Den Schmerz der Vernichtung in Millisekunden
erleben - am Leben, doch Leben verschwunden, -
heißt, Trug der Verbundenheit endüberwinden,
und nie mehr die Zeit mit der Suche zu schinden.
Gesichter sind Masken an leblosen Dingen,
ein Lächeln versuchst du dem Nichts abzuringen.
Du musst dich ins Dunkel von Blicken entfernen,
und ohne Verbitterung Einsamkeit lernen.
9.2012
Suche das unauffindbare Mädchen
auf Feldwegen im Morgennebel,
starre in gläserne Fernen; finde
verbrannte Gräser, ins Bangen
verbannte Hoffnungen.
Suche das unaussprechliche Mädchen
hinter verlassenen Bahnhöfen:
wie alte Burgen enthüllen sie
das Herz der Unzeiten.
Gehe durchs Heidekraut hinauf
den abernächsten Hügel nichtswärts.
Suche das unfassbare Mädchen, glaube
an das unglaubliche Mädchen, fühle
die Nacht in ihrem Atem, die kühlen,
unendlichen Blicke.
2013
Ich bin verschämt, verfroren,
eisstill, nachtgrau, luftschal;
zum Schein nicht auserkoren.
Verberge mich nicht - bin verborgen;
laufe nicht weg - bin fort,
versteckt am raumlosen Ort.
9.2012
Ein Narr war Arro -
teilten ihn entzwei.
Sein Herzschmerzblei -
nicht ganz bleifrei
Schwarz auf Weiß
im Ausweis
stand: Selbstmitleid.
Die Hälften barsten.
Satt Aasfresser grasten,
aasten. Nie war Fasten.
Dem Arro Trübsal, denen Tanz.
Er harrte aus,
biss sich in den Schwanz,
Mit sich selbst wurde eins,
Seitdem ist Arro ganz.
2011
Liebe Nihilina,
lieber nicht.
Wir sind nichts
in Nihilien.
Und versteinern wir,
so wird Nihilit.
2008
Dein Name sei auf ewig ungenannt,
du Schüchterne! In dunkler Jahreszeit
du Abend, Nacht, Unsterblichkeit!
Dein Name ist mir wohlbekannt.
Am Fluss der Nebel, das ist nah bei dir,
du Immermädchen! Weht dein Winterhauch
seit diesem Frühherbst, und im Frühling auch.
Am Fluss der Nebel, da bist du bei mir.
Wir halten uns nur schweigend an den Händen,
weltscheue Träumer! Ach, dein frecher Blick
krallt sich mein Herz, und du dich fest in mich:
wir halten uns für Träume, niemals endend.
10.2012